20150607: Über den Tellerrand hinaus - Die Kleinwagen Mini, Fiat 500 und Opel Adam

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  • 20150607: Über den Tellerrand hinaus - Die Kleinwagen Mini, Fiat 500 und Opel Adam


    Mein Auto lebt

    Ein Auto muss nicht groß sein, um groß anzukommen. Das zeigen die Modelle von Mini, Fiat und seit neustem auch Opel.
    Was macht die Kleinwagen mit viel PS unter der Haube so besonders?

    Beginnen wir diese Geschichte mit einigen Kandidaten, die darin nicht weiter vorkommen werden. Einer von ihnen ist der Suzuki Swift. Gern würden ihn seine Väter in die Klasse der Kult-Autos aufgenommen wissen. Allein, dem kleinen Japaner fehlen die inneren Werte und vor allen ein besseres Image der Familie. Auch der Audi A1 wird nicht weiter berücksichtigt. Er ist einfach zu vernünftig. Und das ist ein klares Ausschlusskriterium von der Riege jener Automobile, die nicht mit dem Kopf, sondern mit dem Bauch gekauft werden.

    Dabei spielt die Tradition durchaus eine Rolle. Was Ende der 1950er Jahre schon gut für das erstarkende Europa war, das kann in Neuauflage so schlecht heute nicht sein. Der Mini war bereits damals auf gutem Weg, ein Kultauto zu werden. Ein britischer Pop-Barde hat ihm dabei geholfen. Klein genug war er, um die enge Carnaby Street hinabzubrausen, und er fuhr mitten hinein in das Zeitalter der schrillen Farben, breiten Hüte und großen Sonnenbrillen. Weit jenseits der Insel wuselte auch ein zierliches Kerlchen übers Kopfsteinpflaster am Kolosseum und Vesuv vorbei. Der Fiat 500 machte Italien mobil, und die ersten mutigen Urlauber, die kochendem Kühlwasser zum Trotz den Alpenhauptkamm bezwangen, um dem Chianti und der Tomatennudel auf den Pelz zu rücken, brachten als Souvenir abenteuerliche Geschichten von völlig überladenen Kleinstwagen mit, die einem VW Käfer oder Opel Kadett durchaus als Beiboot genügt hätten. Beide, Mini und Fiat 500, feierten erfolgreich ihre Renaissance und bewegen heute nicht nur den modernen Menschen, sondern vor allen dessen Herz.

    Der Neuling unter den Kultwagen
    Doch ein dritter erhält Zutritt zum erlauchten Kreis der Seelentröster, die heute voll vernetzt, abgasgereinigt und in strahlendem Variantenreichtum die gestylten Parkplätze der noch gestylteren Eigentumswohnparks bevölkern. Und er überrascht umso mehr, als er auf keinen Vorgänger in der Wirtschaftswunderzeit bauen kann. Der Opel Adam flitzt seit zwei Jahren schwungvoll übers Parkett der anspruchsvolleren Auto-Gemeinde und kommt ob des erfolgreichen Auftritts mit immer neuen Derivaten daher. Wie ihm das gelungen ist? Nun, er folgt den Erfolgsrezepten seiner Brüder im Geiste. Nicht immer jung, stets aber sehr individuell anspruchsvoll wünschen sich die Kunden des Kultautos eine maßgeschneiderte Ausstattung. Die darf gern auch mehr kosten als anderswo. Hauptsache, dass sich da ein ganz individuelles, unverwechselbares Auto konfigurieren lässt. Und mit mehr als 100000 Möglichkeiten des Variierens steht der Adam seinen Kollegen in nichts nach.

    Je kleiner der Wagen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass er von seiner Besitzerin, manchmal auch von seinem Besitzer, einen Namen bekommt. Muggel, Nubbel, Schnuffi, die Personalisierung des Kleinwagens trägt bisweilen reizende Blüten, oft sogar auch einen Namenszug an der Heckklappe. Bei einer S-Klasse, einem Porsche 911 Carrera oder Audi A6 ist dies wohl nur in den seltensten Fällen zu beobachten. Die Zahl der Käuferinnen ist überaus hoch in dieser Klasse, berichten Kundenbetreuer.

    Um doch die männliche Kaufkraft zu gewinnen, wird aufgerüstet. Mini hat auf das anfängliche Spitzenmodell Cooper S den John Cooper Works gesetzt. 231 PS machen dem gar nicht mehr so kleinen Mini Beine, Zutaten aus der Rennsporttechnik wie eine Hochleistungsbremsanlage verstehen es, den Kraftzwerg am Zügel zu führen. Sie stellen ihn aber mit einem Preis von 29900 Euro fast in eine andere Spielklasse. Unvergleichlich ist dabei nicht nur die Beschleunigung (in kaum mehr als sechs Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h) sondern auch das Gocart-Gefühl, das am Lenkrad des Mini entsteht. Schon eine kleine Kurskorrektur quittiert der frontgetriebene Wagen mit ansatzlosem Richtungswechsel. Wie ein Terrier tritt er dann an, der plötzlich den panisch flüchtenden Hasen erspäht. Der stärkste Kerl in der Mini-Familie ist jedoch eine Spezialität für Fachkräfte. Selten wird er von Frauenhand gelenkt, eher von einem wie unser Nachbar. Der wohlhabende Zahnarzt hat seinen 911 Carrera im vergangenen Sommer verkauft und ist jetzt an den Wochenenden in seinem Mini JCW auf Hockenheim- oder Nürburgring unterwegs. „Macht mindestens genauso viel Spaß“, sagt er grinsend.

    Bis zu 192 PS
    In der zärtlicheren Abteilung ist der Mini beileibe nicht untermotorisiert. Los geht es mit 102 PS und 17650 Euro für den zweitürigen Mini One II (sieht man vom fast 2000 Euro billigeren und 27 PS schwächeren Mini One First ab, der vielleicht als „mein erster Mini“ irgendwann im Fotoalbum betrachtet wird). Cooper und Cooper S sind mit 136 PS und 192 PS unterwegs. Kein Anlass zur Klage über Leistungsmangel.

    Fiat treibt es mit dem 500 noch wilder. Die Spezialmodelle 595 Abarth Turismo und Abarth Biposto bekommen mit maximaler Beatmung durch Turbolader eine Leistungsspritze auf 160 und 192 PS. Aus einem Vierzylinder mit 1,37 Liter Hubraum. Das kostet dann 21850 und 39900 Euro. Wer den nur zweisitzigen Biposto mit dem klauengeschalteten Rennsportgetriebe ordert, das sich, wenn die Fuhre erstmal rollt, ohne zu kuppeln schalten lässt, katapultiert den Kleinstwagen sogar an die Grenze von 50000 Euro. Dass die scharfen 500er nichts für den Alltag sind, versteht sich von selbst. Der knuffige Retro-Fiat startet bei 12250 Euro mit 69 PS und gilt damit eher als untermotorisiert. Mit dem turbogeladenen, 85 PS starken Zweizylinder ist der kleine Italiener (der gar nicht im Land, wo die Zitronen blühen, sondern in Polen gebaut wird) fixer unterwegs.

    Der 500 weckt im Innenraum viele Gedanken an die Vergangenheit. Nicht, dass auf irgendetwas verzichtet werden müsste, Sitzheizung, Servolenkung, Klimaanlage und Navigation sind Ausstattungen, von denen sein Urahn nicht einmal träumen konnte. Aber die gestalterische Umsetzung der fünfziger Jahre des vorigen Autojahrhunderts gelingt auf höchst charmante Weise. Cremige Farben und dezente Chromintarsien, kombiniert mit glattflächigen Lackflächen am Armaturenbrett, gern in Pastelltönen gehalten, erinnern an die Tage, bevor Anthrazit und Grau das Interieur zu beherrschen begannen. Ähnlichkeiten mit einem alten Braun-Kofferradio sind gewiss nicht unbeabsichtigt.

    Viel Raum für persönliche Gestaltung
    Und Opel? Opel verstand es, mit dem Adam zu überraschen. Anfangs mit leisen Spott bedacht, hat sich der knubbelige Zweitürer schon fast zum gutgelaunten Markenbotschafter entwickelt. Nicht nur im Südhessischen ist die Adam-Dichte auf den Straßen sprunghaft gestiegen. Es zeugt von geschickter Formgebung, wenn der Muntermacher mit dem Blitz trotz seiner gestaltwandlerischen Fähigkeiten stets wiedererkannt wird. Anbauteile, Bicolor-Lackierung, Dekorfolien und exaltierte Raddesigns machen den kleinen Opel zum ausgeprägt individualisierfähigen Liebling. Vom Innenraum ganz abgesehen, auch wenn nicht jede Generation (und der Adam ist alterslos) mit der Notwendigkeit eines Smartphone-Einsatzes zur Navigation glücklich ist.

    Die Hochleistungsschau lässt den Adam kalt. Strammster Max ist der Turbo S, der Modellpalette, in der im Gegensatz zu Mini und Fiat kein Diesel, wohl aber eine erdgasgetriebene Variante zu finden ist. Sein Vierzylinder liefert 150 PS ab, 18690 Euro sind dafür kein übertriebener Preis. Darunter gibt sich das Wägelchen eher zahm, 70 bis 115 PS liefern die mit drei oder vier Zylindern bestückten Maschinen. Aber noch gibt es die OPC-Option (Opel Performance Cars), die bei vielen anderen Opel-Baureihen die Leistungsspitze markiert. Sie stünde auch dem Adam gut zu Gesicht.

    Das geringe Transportvolumen der Minis ist kein Manko, für Umzüge gibt es den Autoverleiher oder Papa. Hauptsache, es wird eine Idee und ein Ausdruck des Lebensstils befördert. Und lange Strecken, die für die kultigen Kleinwagen eher übertrieben wirken, legt der Liebhaber heute sowieso mit der Bahn oder dem Fernbus zurück. Demnächst werden wir es dem Dental-Nachbarn gleichtun. Nur ein Name für die Neuanschaffung ist noch nicht gefunden.


    Quelle: faz.net/aktuell/technik-motor/…d-opel-adam-13632297.html
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